Mehrsprachige Erziehung für Kinder von 1 bis 4 Jahre

Nationale und internationale Experten bestätigen, dass Kleinkinder mehrere Sprachen gleichzeitig lernen können, auf eine natürliche und intuitive Art und Weise.

Studien zeigen in der Tat, dass Kleinkinder, die oft mit mehr als einer Sprache in Berührung kommen, eine gewisse Leichtigkeit entwickeln, was das Erlernen neuer Sprachen, aber auch die Entwicklung kognitiver Kompetenzen betrifft (vergleichen, analysieren, gewichten, …).

Ein Vorteil, von dem sie ihr ganzes Leben profitieren werden.

Die Regierung möchte diese einzigartige Chance nutzen und allen Kindern die besten Startchancen für die Schule und das Leben anbieten.

Um Kleinkinder in ihrer Sprachentwicklung zu unterstützen, hat die Regierung im Oktober 2017 in den Krippen ein Programm für die mehrsprachige Erziehung für Kinder von 1 bis 4 Jahren eingeführt.

Die mehrsprachige Erziehung wird sich dauerhaft auf das Bildungssystem auswirken.

Bereits früh kommen Kinder so mit den Sprachen in Berührung, die sie später sprechen werden müssen. Damit reagiert die Regierung auf einen konkreten Bedarf in unserem multikulturellen und mehrsprachigen Land.

Kontakt mit der luxemburgischen und französischen Sprache, Förderung der Muttersprachen

Das Programm der mehrsprachigen Erziehung wird in allen Betreuungsstrukturen für Kinder von 1 bis 4 Jahren angeboten, die Dienstleister des Chèque service Systems sind. Die Tageseltern gehören diesem Programm nicht an, da diese Art der Betreuung die Bedingungen einer mehrsprachigen Erziehung (1 Betreuer pro Sprache) nicht erfüllen kann.

Alle Kinder in diesem Alter, die in Strukturen betreut werden, kommen in Kontakt mit der luxemburgischen und französischen Sprache. Die Muttersprachen werden ebenfalls unterstützt.

Der frühzeitige und tägliche Kontakt mit dem Luxemburgischen und Französischen geschieht auf spielerische Art, dem Alter und Rhythmus des Kleinkindes angepasst. Kinder sind von Natur aus neugierig; Ziel ist, ihr Potenzial zu stimulieren, ohne Druck und Zwang – im Alltag, beim Essen, Spazierengehen, Spielen, mit Liedern und Reimen.

Die Muttersprache wird dabei nicht vernachlässigt. Alle Kinder werden dazu angehalten, sich in ihrer Muttersprache auszudrücken, denn dies ist eine wesentliche Grundlage für ihre Identitäts- und Sprachentwicklung. Diese Wertschätzung erweckt die Neugier und das Interesse der Kinder an den verschiedenen Kulturen und den Sprachen, die um sie herum gesprochen werden.

Ein Vorteil für alle Kinder

Das mehrsprachige Programm ist ein wichtiger Bestandteil der von der Regierung verfolgten Chancengleichheitspolitik. Alle Kinder werden von diesem Ansatz profitieren, unabhängig von ihrer Muttersprache.

Da sie früh mit Luxemburgisch und Französisch konfrontiert werden, haben die Kinder häufiger Gelegenheit und auch viel mehr Zeit, zu entdecken, wie viel Spaß es machen kann, zwei Sprachen verstehen und sich in zwei Sprachen ausdrücken zu können. So sind sie bereits vor der Einschulung an ein mehrsprachiges Umfeld gewöhnt.

Luxemburgisch ist ein wichtiger Integrationsfaktor. Kinder, die zuhause wenig oder kein Luxemburgisch sprechen, können durch diese frühe Sensibilisierung die Sprache schnell erlernen. Es bildet zudem eine solide Grundlage für die Alphabetisierung in der Grundschule, die in Deutsch erfolgt.

Der tägliche und spielerische Kontakt mit der französischen Sprache bietet den Kindern, die zuhause kein Französisch sprechen, einen natürlichen, entspannten Zugang zu dieser Sprache. Aus Gründen der Kohärenz und Kontinuität wird das spielerische Lernen der französischen Sprache im Zyklus 1 der Grundschule fortgesetzt. Alle Kinder werden davon profitieren, unabhängig davon, ob es der erste Kontakt mit dieser Sprache ist oder sie bereits eine mehrsprachige Betreuung in einer Krippe genießen konnten.

 Je besser die Kinder auf unsere mehrsprachige Gesellschaft und Schule vorbereitet sind, desto größer sind ihre Erfolgsaussichten.

20 Stunden Gratisbetreuung

Alle Kinder von 1 bis 4 Jahren, die eine Betreuungsstruktur besuchen, sollen vom mehrsprachigen Programm profitieren können. Deshalb werden seit Oktober 2017 20 gratis Betreuungsstunden angeboten, dies über 46 Wochen im Jahr.

Kleinkinder genießen so, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern, ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot, das besonderen Wert auf die Sprachentwicklung legt.

Gleichzeitig wurde das CSA-Gutscheinsystem überarbeitet, um es den tatsächlichen familiären Situationen besser anzupassen und junge Familien besonders in der finanziell schwierigen Anfangszeit zu unterstützen.

Qualifizierte pädagogische Fachkräfte

Die mehrsprachige Erziehung in den Krippen wird von qualifizierten, speziell geschulten Fachkräften gewährleistet.

Die Erzieher nehmen an Aus- und Weiterbildungen teil, die ihnen fundierte Kenntnisse im Bereich des Spracherwerbs von Kleinkindern vermitteln.

Um den Betreuern die nötige Zeit zu geben, ein Vertrauensverhältnis mit Ihrem Kind aufzubauen und ihm Kommunikationssituationen anbieten zu können, die seinen Bedürfnissen entsprechen, finanziert der Staat das zusätzlich benötigte Personal in den Betreuungsstrukturen, die dem CSA-System angeschlossen sind, dies in Höhe von ca. 10 % der Stunden, die das Personal vor Einführung des mehrsprachigen Erziehungsprogramms geleistet hat.

Begleitung des mehrsprachigen Programms durch einen wissenschaftlichen Beirat

Ein wissenschaftlicher Beirat wurde eingerichtet, um die Durchführung des mehrsprachigen Programms, das im Oktober 2017 eingeführt wurde, zu begleiten. Der Beirat besteht aus 12 nationalen und internationalen Experten aus unterschiedlichen Bereichen wie Kleinkindalter, Mehrsprachigkeit, Sprachentwicklung und mehrsprachige Erziehung. Ihre fachlichen Stellungnahmen und konstruktive Kritik tragen zur Weiterentwicklung der Bildungspraxis bei und gewährleisten die Angemessenheit und Kohärenz der Maßnahmen.

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